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Kurt Ahrens - Sieger des Österreichring Eröffnungsrennen, wird 80 - Foto: Markus Leser / Porsche AGKurt Ahrens wird 80, er debütierte 1968 neben Jochen Rindt in der F1, siegte mit Jo Siffert im Porsche 917 beim Eröffnungsrennen des Österreichrings 1969 ...

 

Kurt Ahrens feiert am Sonntag (19. April 2020 ) seinen 80. Geburtstag. Schon in jungen Jahren entwickelte sich der in Braunschweig Geborene blitzartig zu einer Lichtgestalt des internationalen Langstreckensports. Damals aber nicht wie in der jüngsten Vergangenheit von den Tuchwindeln in einen Overall und ab ins Kart. Nein, „Kurti“ half zunächst seinem Rennfahrer-Papa Kurt senior am Rennplatz.

Nach Erwerb des Führerscheins ging der Junior dann ab 1958 selber in der Formel 3 und der neu geschaffenen Formel Junior an den Start. Beide wurden in schneller Folge durch viele Erfolge auch auf ostdeutschen Rennstrecken schlagartig bekannt. Dort in Sachsen „verlor“ Kurti bereits in ganz jungen Jahren sein Herz, gewann 1961 und 1963 die letztmals ausgefahrene Deutsche Formel Junior Meisterschaf auf Lotus 20 Ford bzw. Cooper T52 Fiat und im Cooper T67 Ford.
Kurt Ahrens jun. auf Cooper 1100 ccm beim Gaisbergrennen am 08.09.1962Kurt Ahrens jun. auf Cooper 1100 ccm Gaisbergrennen 08.09.1962
Foto: Artur Fenzlau / Technisches Museum Wien

Kurt Ahrens - Österreichring-Sieger von 1969 wird 80

In den frühen Sechzigern bekam man Ahrens auch schon bei diversen Flugplatzrennen in Österreich zu sehen. Das Ahrens-Duo gehörte so sehr schnell zu den wichtigsten Kunden von Formel-3-Konstrukteur John Cooper.

 

Dessen Konstrukteur Owen Maddock erinnerte sich noch lange an die deutschen „fast father and son. Wie Fahrer aus allen Nationen schielten auch die beiden Deutschen beim Besuch in Surbiton gerne auf die neuen Formel-1-Entwicklungen bei uns.

 

„Kurti" hatte absolut das Zeug zum Profi. Sein Weg führt ihn bis in die Formel 1, wo er 1968 neben Jack Brabham und Jochen Rindt im Brabham-Repco auf dem Nürburgring debütiert – doch es soll sein einziger Start in der Formel 1 bleiben.



Dieses Erlebnis führt Kurt Ahrens vor Augen, was ein Profi in der Königsklasse des Motorsports leisten muss. Doch für ihn soll der Rennsport vor allem ein Ausgleich sein zur täglichen Arbeit im Familienbetrieb, einem Recycling-Unternehmen. „Ich wurde ja im Geschäft gebraucht und konnte es mir aus dieser Sicht einfach nicht leisten, die ganze Sache professionell zu betreiben. Ich freute mich, am Wochenende zu fahren, am Montag musste es aber zu Ende sein“, stellt er rückblickend fest.
Kurt Ahrens jun. und seniorFlugplatzrennen Wien-Aspern 1962 Formel Junior Siegerehrung:
Joseph Siffert (11) auf Lotus 22, 1100 ccm mit Kranz, links neben ihm Kurt Ahrens jun., rechts neben ihm Kurt Ahrens sen., ganz rechts: Rolf Markl
Foto Artur Fenzlau / Technisches Museum Wien

Langstreckensport mit dem Porsche 917

So ging’s für „Kurti“ in Richtung Langstreckensport – Porsche bot ihm dort einen Platz als Werksfahrer. So gewinnt er 1969 mit Jo Siffert im Porsche 917 die 1000 Kilometer von Österreich beim Eröffnungsrennen der frisch erbauten Rennstrecke in Zeltweg. Im Oktober 1969 ist Ahrens auch an den entscheidenden Versuchsfahrten in Zeltweg beteiligt, die schließlich zur erfolgreichen Kurzheckversion des 917 führen.

Ahrens gilt als unkompliziertes und ehrliches Teammitglied mit technischem Gespür. Letzter großer Erfolg ist der Sieg beim 1000-km-Rennen 1970 am Nürburgring und die Poleposition in Le Mans.

 

Im selben Jahr, mit nur 30 Jahren, tritt Kurt Ahrens vom Rennsport zurück, um sich mehr um seine Frau, seine vier Kinder und das Geschäft zu kümmern.

 

Auch seine Söhne werden später in den Rennsport hineinschnuppern. Besonders bemerkenswert: Kurt Ahrens bestreitet mehr als 300 Rennen, hat dabei nie einen Renn-Unfall !

Kurt Ahrens - Rücktritt mit 30 Jahren

1970 trat Kurt Ahrens mit gerade einmal 30 Jahren vom Rennsport zurück. In diesem Jahr hatte er auf der noch heute existierenden Versuchsstrecke von Volkwagen in Ehra-Lessien (Landkreis Gifhorn / Niedersachsen / Deutschland)  extrem viele Schutzengel auf seiner Seite. 300 Rennen ohne Unfall - Kurt Ahrens bei Tests mit 250 km/h & Glück in die LeitplankenTest-Unfall im Porsche 917 Langheck vor Le Mans - Kurt Ahrens im Glück
Foto: Porsche AG
Sein Langheck-917er Porsche schlug bei ca. 250 km/h in Folge Aquaplaning in die Leitplanke ein. Dies geschah noch bevor die eigentlichen Testfahren mit der ersten Langheck-Version für Le Mans beginnen sollten. Da Kurt Ahrens den Unfall unverletzt überstand fuhr er anschließend selbstverständlich die ursprünglichen Testfahrten.

Es muß es sein hartes Holz gewesen sein aus dem Kurt Ahrens während seiner aktiven Motorsport-Karriere geschnitzt war. In Le Mans teilt er sich 1970 das Cockpit des 917 Langheck mit Vic Elford. Das Herzstück der damals rund 13,5 Kilometer langen Strecke an der Sarthe ist die legendäre, noch von keiner Schikane unterbrochene Gerade Richtung Mulsanne: sechs Kilometer lang, ein Strich in der Landschaft, gemacht für die 400-Stundenkilometer-Marke. „Kein Thema“, sagt Ahrens. Mulmig ist ihm im weiterentwickelten 917 nie.

Das war im Jahr zuvor noch anders. „Es war der reinste Horror. Das Auto schwänzelte extrem ab 350, das Heck stieg beim harten Bremsen hoch. Rolf Stommelen und ich haben bei etwa 380 das Gas weggenommen“, erinnert er sich. Ahrens und Elford halten drauf. Bei 3.19,08 Minuten bleiben die Uhren stehen. Mit dieser Pole-Zeit stehen die beiden ganz vorne. Im Rennen führen sie lange – bis ein technischer Defekt sie zur Aufgabe zwingt.

Kurt Ahrens hat sein Interesse am Motorsport im Laufe der Jahre nicht verloren. So traf ihn der Autor im Sommer 2008 im Fahrerlager von Hockenheim gemeinsam mit Jens Smollich, ehemaliger Schrauber von Ulli Melkus und späterer Formel Easter Pilot der bereits 1989 seine Internationale Lizenz erhielt. Smollich ist auch heute noch aktiver Motorsportler, gewann noch 2017 in Oschersleben beide Läufe zum HAIGO Historic Cup auf einem Estonia 25 wie ihn auch Mika Häkkinen pilotierte...

 

Wir gratulieren Kurt "Kurti" Ahrens sehr herzlich zu seinem 80. Geburtstag und bedanken uns für seine, wenn auch wenigen, Jahre großartiger motorsportlicher Leistungen.

 

Kurt Ahrens (r) mit Heinz Seifert (l) und Jens Smollich im Sommer 2008 - Foto: HTSKurt Ahrens (r) mit Siegfried Seifert (l) und Jens Smollich im Sommer 2008 - Foto: HTS

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle besonders auch bei dem Technischen Museum Wien. Dieses erwarb Anfang der 2000er Jahre mit den Nachlässen von Artur Fenzlau (1909 - 1984) und Erwin Jelinek (1907 - 1989) die Archive zweier Motorsport-Fotografen mit Fotos von ca. 500 Einzelrennen.

Im nun frei zugänglichen Online-Archiv finden sich ca. 160.000 Momente des österreichischen Motorsports - Prädikat Absolut sehenswert !

Ebenso empfehlen können wir natürlich auch einen physischen Besuch des technischen Museums Wien, derzeit wie so Vieles wegen Corona nicht möglich. Für Mitte Mai jedoch wurde die Öffnung der Museen wieder in Aussicht gestellt. Die gezeigten Ausstellungen und Sammlungen waren in der Vergangenheit schon mehrmals Ort der jährlichen Ehrung der österreichischen Motorsport-Sieger und Meister.


Aktuelle Informationen über geplante Vorführungen nach Corona im technischen Museum Wien.
Technisches Museum Wien - Öffnungszeiten Mo-Fr 09:00 - 18:00   -   Sa, So & Feiertags 10:00 - 18:00

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